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Die Form der Kristalle

Mineralien werden aus atomaren Bausteinen aufgebaut welche einer strengen räumlich-geometrischen Ordnung unterliegen. Dieser Aufbau ist Voraussetzung und Grundlage für die zu beobachtenden Formen und vieler Eigenschaften der Mineralien. Das bedeutet, das unsere Beobachtungen an Kristallen stets einen Einblick in den inneren Aufbau der Kristalle gewähren. Fast immer fällt dem Sammler die Kristallform ins Auge. Kristalle werden in den sieben Kristallsystemen, kubisch, tetragonal, hexagonal, trigonal, orthorhombisch, monoklin und triklin eingeordnet. Innerhalb dieser Klassen gibt noch 32 Symmetrieklassen.

Kristallsystem

  Symmetrieklasse

kubisch
z.B.: Pyrit, Fluorit, Clausthalit.

- hexakisoktaedrische Klasse,
- hexakisoktaedrische Klasse,
- pentagonikositetraedrische Klasse,
- disdodekaedrische Klasse,
- tetartoidische Klasse.

 

 

tetragonal
z.B.: Hausmannit, Kassiterit, Leucit.

- ditetragonal-dipyramidale Klasse,
- ditetragonal-pyramidale Klasse,
- tetragonal-trapezoedrische Klasse,
- tetragonal-dipyramidale Klasse,
- tetragonal-pyramidale Klasse,
- tetragonal-skalenoedrische Klasse,
- tetragonal-disphenoidische Klasse.

 

 

hexagonal
z.B.: Vaterit, Thaumasit, Pyromorphit.

- dihexagonal-dipyramidale Klasse,
- dihexagonal-pyramidale Klasse,
- hexagonal-trapezoedrische Klasse,
- hexagonal-dipyramidale Klasse,
- hexagonal-pyramidale Klasse,
- ditrigonal-dipyramidale Klasse,
- trigonal-dipyramidale Klasse.

 

 

trigonal
z.B.: Pyrargyrit, Quarz, Siderit.

- ditrigonal-skalenoedrische Klasse,
- ditrigonal-pyramidale Klasse,
- trigonal-trapezoedrische Klasse,
- rhomboedrische Klasse,
- trigonal-pyramidale Klasse.

 

 

rhombisch
z.B.: Olivenit, Hannebachit, Goslarit.

- rhombisch-dipyramidale Klasse,
- rhombisch-disphenoidische Klasse,
- rhombisch-pyramidale Klasse.

 

 

monoklin
z.B.: Lautenthalit, Polybasit, Plagionit.

- prismatische Klasse,
- sphenoidische Klasse,
- domatische Klasse.

 

 

triklin
z. B.: Lengenbachit, Proustit,

- pinakoidale Klasse
- (pediale) asymmetrische Klasse.

 

 

B
edingt durch die Kombinationen von unterschiedlichen Flächen und den inneren Feinbau haben Mineralien eine teilweise typische, räumliche Erscheinungsform. Man unterscheidet:

- isometrische Formen, bei etwa gleich großer Entwicklung in alle drei Raumrichtungen (kubische Kristalle).

- eindimensional gestreckte Formen also nadelig, säulig, stengelig, haarförmig, faserig.

- zweidimensionale Formen wie etwa schuppig, plattig, blätterig und tafelig.

- dentritische Formen wie z.B. bei Silber oder Wad.

Der Habitus kann für ein Mineral typisch und für dessen Bestimmung sehr wichtig sein. Man denke dabei nur an das viel verbreitete Mineral Bergkristall. Allein durch den typischen Habitus ist Bergkristall sehr leicht zu erkennen. In Abhängigkeit von einigen Faktoren während der Entstehung wie etwa Temperatur, Konzentration der Lösung und Druck ändern sich bei vielen Mineralien Habitus und Tracht. Als Beispiel sei der Calcit der Andreasberger Lagerstätte genannt. Dieser kommt dort in einer Vielzahl unterschiedlichster Formen vor.

Die Tracht ist nicht zu verwechseln mit dem Habitus. Die Kristalltracht stellt die Gesamtheit der an einem Kristall auftretenden Flächen dar. Der Habitus hingegen bezeichnet die Breite und Länge, also die Erscheinungsform des Kristalls. So gibt es immer wieder Kristalle eines Minerals mit der gleichen Tracht aber einem anderen Habitus. Das heißt, das die selben Flächen in der selben Anzahl an beiden Kristallen vorhanden sind. Nur sind sie an jedem der zwei Kristalle unterschiedlich groß. Daraus ergibt sich beispielsweise ein tafeliger und ein stengeliger Habitus.

Quarz aus Wolfshagen am Harz

Quarz auf Siderit, Wolfshagen, Harz

Tiefquarz ist trigonal, Hochquarz ist hexagonal.

A
ber noch längst nicht alle Mineralien bilden Kristalle. Die bei Kristallen typische Anisotropie der Form und der Eigenschaften fehlt ihnen. Solche Mineralien werden als amorph bezeichnet. Ihre Atome sind regellos verteilt wodurch alle Eigenschaften isotrop (richtungsunabhängig) sind. Ein ganz bekanntes isotropes Mineral ist der zur Quarzgruppe zählende Opal.

Vielen ist sicher das giftige Quecksilber bekannt, eine absolute Ausnahme unter den natürlich vorkommenden Mineralien. Es findet sich als einziges natürliches, flüssiges Mineral in Form von kleinen Tröpfchen im Gestein von entsprechenden Lagerstätten. Eine bekannte deutsche Fundstelle ist Moschel-Landsberg in der Pfalz.

 

 

 

 

(c) Frank Kuznik

 

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